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18.08.2014 Entebbe

Afrika nimmt uns in seine warmen Arme! Die Menschen sind schön und von eleganter und stolzer Erscheinung, zudem ausgesprochen freundlich. Dies ist zumindest unser erster Eindruck, nachdem uns Jason Sandy, unser Fahrer und Ratgeber in allen Lebenslagen für die kommenden Tage, vor ca. 2 Std. vom Flughafen in Entebbe abgeholt hat.

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Jason brachte uns in das Boma Guesthouse. Wir haben noch nicht viel gesehen, denn es ist bereits finstere Nacht, aber die Gartenanlage des Boma Guesthouses scheint ein kleines Paradies zu sein! Jetzt wollen wir erst einmal ankommen und uns von der Anreise erholen.

Wir lassen uns auf das Neue ein. Es fühlt sich bereits jetzt warm und freundlich an!

19.08.2014 Entebbe – Budongo Forest

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Ein herrlicher Morgen erwartet uns. Wir genießen ein leckeres Frühstück mit einem besonders erwähnenswerten sehr guten Kaffee auf der schönen Terrasse des Boma Guesthouses mit Blick in die wunderschöne tropische Gartenanlage.

Wir sind nun gut gestärkt für die ca. 4stündige Fahrt zum Ziwa-Rhino-Sanctuary. Jason ist sehr sympathisch und erzählt viel über Land und Leute. Die Fahrt führt uns zunächst durch Entebbe und Kampala. Der chaotische Straßenverkehr und die verschmutzte Luft verschlagen uns den Atem! Endlich lassen wir die Städte hinter uns. Die Fahrt über Land erweist sich jedoch als ziemlich öde.

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Im Rhino Sanctuary, eine Auffangstation für Nashörner, machen wir uns auf den Weg, um die Dickhäuter zu sehen. Insgesamt leben hier 15 Tiere, drei davon können wir entdecken.

Nach diesem beeindruckenden Erlebnis schaukeln wir weiter mit Jason durch die Lande, bis wir die Budongo Lodge, welche mitten im Regenwald liegt, erreichen. Hier ist es mir ein wenig zu rustikal, obwohl die Leute sehr nett sind.

20.08.2014 Budongo Forest – Murchison River Falls

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Stromausfall am frühen Morgen! Außerdem Gewitter und Starkregen! Mit Hilfe unserer Taschenlampen machen wir Katzenwäsche. Es ist so kühl, dass doch tatsächlich meine Handschuhe aus Bolivien zum Einsatz kommen!

Nach dem Frühstück lässt der Regen langsam nach. Unser erstes Schimpansen-Trekking in Begleitung von John im Budongo Forest kann nun beginnen. Wir stolpern stundenlang über Stock und Stein durch den Regenwald, bis John dann endlich Schimpansen hoch über uns in den Baumwipfeln aufspürt.

Die Lichtverhältnisse sind zum Fotografieren ziemlich schwierig und es heißt „Kopf in den Nacken“ – was nach einiger Zeit ziemlich schmerzhaft ist. Dieses erste Schimpansen-Trekking ist nicht ganz so geglückt und es kommt uns ziemlich touristisch vor. Das geht bestimmt noch besser!

Nach dem Mittagessen verlassen wir die Budongo Lodge. Ich fühlte mich hier nicht so wohl, denn es fehlte ein gewisses Flair. Was jedoch nicht fehlte, waren die Riesenwaldameisen, die abends zu Besuch kamen. Unzählige von ihnen wimmelten im Eingangsbereich der Lodge. Es ließ sich leider nicht vermeiden, auf sie zu treten und es knirschte und knackte dabei ungemein…

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Auf der Fahrt zu den Murchison Falls fallen mir immer wieder die Augen zu. Wir hatten nach dem Chimpstrek zwar die Kleidung gewechselt, jedoch nicht geduscht, was sowieso nicht nötig ist, denn nun folgt ein langer Spaziergang bei sengender Hitze und die Kleidung klebt am Körper.

Die Murchison Falls sind absolut beeindruckend. Der Nil liegt vor uns und die tosenden Wassermassen der Murchison Falls brechen sich in ihm…und dann kommt Itchi mit seinem Motorboot…was nun folgt, ist die schönste Bootstour, die wir bisher erlebten! Bereits zu Beginn sichten wir eine große Herde Elefanten, die durch das Wasser zum anderen Ufer waten.

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Unzählige Nilpferde schauen neugierig aus dem Wasser zu uns empor. Am Ufer erspähen wir eine große Büffelherde. Wir entdecken Vögel in den schönsten Farben

Und wieder erblicken wir eine Herde von Elefanten mit einem ca. 3 m großen Bullen. Die jüngeren Mitglieder der Herde spielen miteinander. Das Schauspiel wird untermalt vom Grunzen und Schnauben der Nilpferde. Das Licht ist golden und auf der glatten Wasseroberfläche des Nils spiegelt sich der stahlblaue Himmel und weiße Wolkentupfen. Itchi sagt: „Listen to the sounds of nature“… ein magischer Moment – als sei die Welt ein Paradies…

Auch die Murchison River Lodge verzaubert uns! Wir wohnen in einem komfortablen Zelt mit Blick auf den Nil. Auf dem Grundstück spielen kleine Grünmeerkatzen miteinander. Wir werden nicht müde diese putzigen Tierchen zu beobachten.

21.08.2014 Murchison Nationalpark

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Von der Terrasse der Murchison River Lodge hat man einen wunderbaren Blick auf den Nil. Wie gern hätten wir noch ein wenig länger hier verweilt, aber die Tiere Afrikas warten schon im Nationalpark auf uns.

Wir sichten viele Giraffen, Büffel, exotische Vögel, Antilopen und den bildschönen Uganda Kob. Alles ist fremd und wunderbar – jedoch unglaublich heiß, so um die 40°C!

Wir haben tatsächlich zu wenige Klamotten mitgenommen. Der Wäscheservice unterscheidet sich von denen in anderen Ländern, in welchen wir bisher unterwegs waren. Es gibt in den Lodges nämlich keine Waschmaschinen!

Mit Schrecken hören wir, dass wir morgen eine ca. 10stündige Autofahrt vor uns haben mit anschließender Nachtpirschwanderung. Das kann ja heiter werden!

Deshalb genießen wir jetzt noch das goldene Licht des Abends mit Blick auf den Nil.

22.08.2014 Murchison River – Kibale Forest

Heute machen wir uns auf die lange Tour in den Kibale Forest. Unsere noch klamme Wäsche in einem Korb ist mit im Gepäck…

Wir sind 8 Std. unterwegs für eine Fahrt von 300 km! Die Fahrtlänge wird nicht in Kilometern gemessen, sondern in Stunden auf Grund der schlechten Straßenverhältnisse. Wir kommen trotzdem gut voran und fahren durch Dörfer, die uns aus unserer europäischen Sichtweise so unbeschreiblich arm erscheinen, dass das „Wäscheproblem“ total lächerlich dagegen erscheint. Bei den erwähnten Dörfern handelt es sich eigentlich nicht um Dörfer, wie wir sie kennen, sondern mehr um eine Aneinanderreihung von Bretterbuden.

Das Städtchen „Hoima“ wirkt jedoch ganz angenehm auf uns. Hier wird ganz in der Nähe Öl gefördert. Dafür sind auch breite Straßen errichtet und Häuser für die Arbeiter und Ingenieure der Erdölfirmen erbaut worden.

Jason können wir alle Fragen, die uns auf dem Herzen liegen, stellen. Er erzählt uns, in welche Regionen welche Stämme leben und dass diese auch wieder unterschiedliche Sprachen sprechen. Er erkennt sofort, woher jemand stammt, wenn er sich mit demjenigen auf Englisch oder Suaheli unterhält.

Somit vergeht die Fahrt wie im Fluge und wir treffen rechtzeitig in der Primate Lodge im Kibale Forest ein. Der Service ist sehr gut und der liebe Jason lässt es uns an nichts mangeln und kümmert sich liebevoll um uns. Leider regnet es – die Nachtpirschwanderung hätten wir aber eh‘ nicht unternommen, denn morgen wird unser Programm bereits um 07.00 h beginnen.

Wir sitzen gerade auf der Terrasse unserer Lodge und beobachten kleine Meerkatzen, die in den Bäumen klettern. Ich wünsche mir nur, dass es aufhört zu regnen!

23.08.2014 Kibale Forest

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Es ist ein aufregender und besonderer Tag gespickt mit Erlebnissen, die uns unvergessen bleiben!

Um 06.45 h geht es in den Wald zu unserem zweiten Schimpansen-Trekking. Was wir sehen, macht uns einfach nur atemlos. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, sind wir doch den ganzen Tag einer Gruppe von 25 an Menschen gewöhnten Schimpansen auf den Fersen, und die sind sehr aktiv und schnell. Von morgens bis in die späten Nachmittagsstunden folgen wir ihrem Tagesablauf. Zunächst vernehmen wir ihre Schreie. Eine Form ihrer Kommunikation. Sie klettern von den Bäumen und versammeln sich.

Wir machen wunderschöne Film- und Fotoaufnahmen und können gar nicht genug davon bekommen, unsere nächsten Verwandten aus unmittelbarer Entfernung zu beobachten.

Die meiste Zeit verbringen die Chimps auf den Boden. Wir werden Zeuge, wie sie ihre sozialen Kontakte pflegen, durch das gegenseitige Lausen, dem Grooming, beim gemeinsamen Relaxen und bei der Nahrungsaufnahme.

Unsere kleine Gruppe ist total fasziniert und wir merken gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Wir sind den Schimpansen so nah‘, wie wir es nicht für möglich gehalten haben.

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Wir sind ganz erfüllt von diesen bezaubernden Erlebnissen, da setzt sich doch zum Abschluss dieses Traumtages ein Schimpanse direkt zu unseren Füßen und schaut uns aus seinen lieben Augen an! Wenn er nur sprechen könnte, was würde er uns mitteilen?

Fast habe ich den Eindruck, als hätten die Schimpansen ein „peoples watching“ unternommen und sich königlich darüber amüsiert, wie wir, völlig durchgeschwitzt und mit schwerer Kameraausrüstung auf dem Rücken, durch den Wald hasten.

Der heutige Tag ist ein großartiges unbeschreibliches Highlight und das Wetter ist genau richtig dafür! Kein Regen und nicht zu heiß.

Dieser Habituation Day im Kibale Forest ist jedem Uganda Reisenden von ganzem Herzen zu empfehlen, denn man taucht ganz tief in die Welt unserer nächsten Verwandten ein!

24.08.2014 Kibale Forest - Queen Elizabeth Nationalpark

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50 – geschafft – der zweite Lebensabschnitt kann beginnen!

Der Tag begann jedoch nicht ganz so toll, da wir feststellen mussten, dass uns beim gestrigen Chimpstrek Geld gestohlen wurde. Jason sagte, wir sollten den Vorfall genau aufschreiben und dann der Parkverwaltung melden. Es handelte sich um die Hälfte des Betrags, welchen wir im Portemonnaie hatten, umgerechnet ca. 120,- €. Wir sagten, dass der Dieb ja noch ganz nett gewesen sei, indem er uns die Hälfte übrig gelassen hat…

So machten wir uns denn auf den Weg in den Queen Elizabeth Nationalpark. Nach drei Stunden Fahrt waren wir am Ziel. Es war sehr heiß und drückend. Den Nachmittag nutzten wir zum Relaxen. Etwas anderes wäre bei der Wetterlage auch gar nicht möglich gewesen.

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Um 16.00 h startete unsere erste Pirschfahrt in den Park. Und was soll ich sagen… es war einfach fantastisch! Neben vielen Uganda Buschböcken, Büffeln und einem Warzenschwein, sahen wir plötzlich einen großen Elefanten vor uns mitten auf dem Weg und drei weitere neben ihm gehen.

In weiter Ferne sichten wir schlafende Löwen neben grasenden Wasserbüffeln. Doch es sollte noch besser kommen – ein junger Löwe läuft die Steppe entlang und trifft auf zwei Löwinnen. Sie spielen zusammen und danach relaxen alle. Diese Szene spielt sich direkt vor unseren Augen ab. Es ist so eindrucksvoll – einfach unbeschreiblich….wir sind so bezaubert von diesen Naturszenerien und noch immer davon erfüllt.

Heute Abend werde ich wieder überrascht. Nach dem Abendessen singt mir die Lodgecrew ein Geburtstagsständchen und ich bekomme eine leckere Geburtstagstorte geschenkt.

Ein traumhafter Tag im Queen Elizabeth Nationalpark geht zu Ende.

25.08.2014 Queen Elizabeth Nationalpark

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Morgens um 05.00 h geht es als erstes in die Outdoor-Dusche. Ich wasche mir das Haar mit Mineralwasser. Um 06.00 h wird uns Kaffee, Tee und leckerer Bananenkuchen serviert. Kurz danach geht es in die Savanne. Ein tolles Erlebnis! Um diese Tageszeit ist es noch recht kühl und frisch, das Licht ist besonders für Fotografen zu empfehlen. Ein Löwe liegt direkt vor uns auf dem Weg. Die Uganda Buschböcke warnen sich gegenseitig durch lautes Pfeifen, der Löwe bleibt indes völlig relaxt, bis er plötzlich aufsteht und sich interessiert umsieht. Die Buschböcke bleiben wie erstarrt und mit vor Schreck geweiteten Augen stehen.

Es präsentiert sich uns eine aufregende Naturszenerie. Die Erlebnisse in der Natur werden immer präsent sein. Hier in den ugandischen Nationalparks scheint das Leben in freier Wildbahn für die beheimateten Tiere noch intakt zu sein. Tun wir doch bitte alles, damit das so bleibt und wir nicht sagen müssen, dass dies die letzten ihrer Art sind.

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Zurück in der Lodge erwartet uns ein leckeres Frühstück. Am Nachmittag unternehmen wir in einem kleinen, feinen Boot eine entspannte Fahrt auf dem Kazinga-Kanal. Wir können schöne Aufnahmen von den am Ufer bekannten Tieren machen.

Auf der Fahrt zurück laufen uns drei Elefanten über den Weg. Klar, dass sie Vorfahrt haben!

Überall finden sich vielfältige Motive!

26.08.2014 Queen Elizabeth Nationalpark

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Heute verlassen wir die Bush Lodge. Wir fahren in die Savanne in den Ishasha Sektor des QEN.

In einem großen Feigenbaum entdecken wir sie… unglaublich! Schlafende Löwen haben es sich in den ausladenden Ästen des Feigenbaums gemütlich gemacht, was für ein Anblick – was für ein Erlebnis! Wir können uns von diesem einmaligen Bild kaum abwenden und kreisen immer wieder um den Baum herum, so fasziniert sind wir. Man vermutet, dass die Löwen zum Schutz vor Mücken den Baum erklimmen, denn so hoch oben vermuten die Plagegeister ihre Opfer nicht. Bei diesem Verhalten handelt es sich um ein angelerntes Vorgehen der Löwen. Auch ist es dort oben sicher weniger heiß und ein Mittagsschläfchen ist somit viel entspannter… die Löwen lassen sich wirklich durch nichts aus der Ruhe bringen und sind völlig tiefenentspannt.

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Zum Mittagessen kehren wir in die Ishasha Lodge ein. Diese hat erst im Mai 2014 eröffnet und ist ein Traum! Wer sich also in diesen Teil des QEN „verirrt“ bzw. eine Nacht bleiben möchte, was sich u.E. sehr lohnt, dem sei diese wunderschöne Unterkunft mit wirklich sehr gutem Essen herzlichst empfohlen! Die Zimmer sind sauber und alle verfügen über WC und fließendes Wasser. Der pure Luxus in dieser Gegend! Auch sind die Zimmer sehr geschmackvoll und individuell eingerichtet. Natürlich hat dieser Luxus seinen gerechtfertigten Preis von 250,- € p.N.

Wir haben jedoch schon im @the River Camp gebucht. Obwohl wir nicht in einem Zelt schlafen, sondern im geräumigen Stelzenhaus, kann man diese Unterkunft nicht mit dem Luxus der Ishasha Lodge vergleichen….ganz besonders nicht das Essen, welches wirklich grottenschlecht im Camp ist.

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Aber bei einer Übernachtung ist das noch auszuhalten, zumal unser Wirt, Jack, sehr sympathisch, jedoch ziemlich einsilbig ist. Wir sind zudem auch noch die einzigen Gäste weit und breit….

Am Nachmittag fahren wir nochmals zu „unseren“ Baumlöwen. Wieder bietet sich uns ein wundervolles friedliches Bild von schlafenden Baumlöwen in den ausladenden Ästen des Feigenbaums. Zwei von ihnen kommen sogar hinab – einfach unglaublich….sie gehen ganz dicht an unserem Fahrzeug entlang und abermals sind wir völlig fasziniert und überrascht, wie nah‘ wir den Tieren auf dieser fantastischen Reise kommen.

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Wie bereits beim ersten Besuch unserer Baumlöwen können wir uns auch jetzt kaum abwenden von diesem faszinierenden Anblick – aber Jason möchte mit uns noch weiter durch die bereits im Abendlicht getauchte Savanne fahren und uns weitere Tiere, wie Antilopen und vielleicht sogar die ein oder andere Hyäne, zeigen. Er fährt querfeldein und schon passiert es… Wir stecken mit dem rechten Hinterrad tief in einem Erdloch fest… die Dämmerung bricht schnell herein und ein Gewitter scheint auch noch aufzuziehen… Ich bin ein bisschen ärgerlich auf Jason… dazu noch die ungewohnten Stimme und Geräusche der Savanne….fast ein wenig unheimlich… noch lacht Jason und ist davon überzeugt, dass er es schafft, das Fahrzeug aus dem Loch zu hieven… alle Versuche sind jedoch vergeblich… zum Glück gibt es ja noch den Buschfunk, der auch hier sehr gut funktioniert. Jason holt sich per Handy Hilfe von seinen Freunden, die in den umliegenden Lodges ebenfalls als Guides oder Fahrer arbeiten. Hier wäscht eine Hand die andere… die Freunde erreichen uns nach ca. 2 Stunden. Thomas und ich sitzen zwischenzeitlich im Wagen, da es stark zu regnen angefangen hat. Wir sind froh, als uns die Lichter der rettenden Fahrzeuge streifen. Übernachtet hätten wir hier nicht so gern… Die Afrikaner gehen sehr fröhlich und lachend mit dieser Situation um, während wir, die Europäer, etwas verärgert im Wagen sitzen. Das unterscheidet uns wohl… wir können hier noch sehr viel lernen. Das Sprichwort „Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“… in diesem Falle also das blendende Licht am endlosen Horizont der rettenden Fahrzeuge… stimmt irgendwie… Wir werden später von unserem Abenteuer zu erzählen haben und es macht unsere Präsentation noch spannender! Es war auch sehr schön zu erleben, wie man sich hier gegenseitig unterstützt und das alles mit Lachen und Leichtigkeit!

Nach diesem Erlebnis und einem grässlichen Abendessen liegen wir völlig fertig unter unseren Moskitonetzen und lauschen dem Starkregen, der auf das Holzdach unseres Stelzenhauses prasselt. Es ist fast ein wenig beängstigend. Wir schlafen hier trotzdem und merkwürdigerweise wie die Babies erholsame 9,5 Stunden lang!

27.08.2014 Impenetrable Forest

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Heute führt uns die Reise Richtung Bwindi Nationalpark. Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Engagi Lodge. Es ist eine sehr schöne Unterkunft, die sich der Umgebung, nah‘ gelegen am Regenwald, wunderbar anpasst. Eine Übernachtung ist sehr zu empfehlen.

Nach einem kräftigen Mittagessen ruhen wir uns den ganzen lieben langen Tag aus, treffen zufällig einige nette engagierte Damen aus Australien, die sich hier für die Rechte der Frauen einsetzen. Sie organisieren z.B. Veranstaltungen im Ort, bei welchen die hier heimischen Frauen ihr Kunsthandwerk verkaufen.

Jason kommt am Nachmittag, um uns nochmals für das morgige Gorilla-Trekking zu instruieren. Wir sind schon so gespannt, was uns bei den Gorillas erwartet und freuen uns so sehr auf dieses Erlebnis. Schließlich warten wir bereits seit einem Jahr darauf! Wir fühlen uns dafür gestärkt, ausgeruht und auch in guter Kondition. Einen Träger werden wir trotzdem mieten. Es kann also gar nichts schief gehen.

28.08.2014 Impenetrable Forest

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Regen – Blitz – Donner – und zwar so heftig, dass wir nachts davon aufwachen. Solche Blitze haben wir zuvor noch nie gesehen und Thomas zückt die Filmkamera.

Pünktlich um 05.45 h werden wir geweckt, Kaffee und Kekse werden uns auf die Veranda gebracht. Ein wirklich aufmerksamer Service! Nach einer lang ersehnten warmen Dusche gibt es Obst und Pfannkuchen zum Frühstück.

Wir bemerken immer wieder die besondere afrikanische Art des Servierens. Zwei Scheiben Toast werden uns gebracht, aber wir haben keinen Aufstrich, außer Butter, und dann folgen sofort Pfannkuchen, die glücklicherweise heiß sind. Anstatt jedoch alles zusammen zu servieren, dauert es dann mind. 5 Min., bis der Honig gebracht wird und zwischenzeitlich ist das Toast bereits erkaltet.

Auch mit der Sauberkeit ist es so eine Sache….wahrscheinlich fehlt vielen eine Waschgelegenheit. Dies ist besonders bei den Männern zu bemerken, wobei die meisten Frauen wie aus dem Ei gepellt erscheinen. Fast alle sind echte Schönheiten mit wunderschönen Haaren und makelloser Haut. Bei keiner Frau habe ich bisher einen unangenehmen Geruch wahrgenommen. Im Vergleich zu Europa ist alles so dermaßen unterschiedlich, dass man es kaum erfassen kann, es ist sogar noch krasser, als im Vergleich zu Südamerika. Wenn die Unterkunft gesäubert wird, was man hier halt so darunter versteht, wird z.B. der Mülleimer nicht geleert. Wir bemerken solche Nachlässigkeiten auf vielerlei Art und Weise, und zwar immer dann, wenn wir an einem Ort zwei Nächte bleiben. Meistens wird dann auch das Essen schlechter. Dies ist keine Wertung, sondern einfach nur die Beschreibung, wie wir die Dinge in Uganda wahrgenommen haben.

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Nun sitzen wir also beim Frühstück und sehen aufgeregt dem Gorilla Trekking entgegen! Das Wetter ist jetzt ausnahmsweise angenehm warm und sonnig.

Zunächst wird uns vorab ein ziemlich schlechter Film über das Trekking gezeigt und es gibt wieder ein sog. Briefing. Wir werden einer Gruppe zugeteilt, die aus drei Slowenen, einem Australier und seiner ugandischen Partnerin sowie zwei Italienern besteht. Nachdem nun alles geklärt ist, kann es endlich losgehen.

Über den Entschluss, uns einen Träger zu mieten und einen Wanderstock zu benutzen, bin ich sehr froh. Der Weg führt uns steil bergauf und es ist sehr matschig und rutschig. Selbst der junge Träger rutscht zweimal in seinen Gummistiefeln aus.

Nachdem der schwierige Aufstieg geschafft ist, sehen wir sie endlich: die Rushegura Gorilla Gruppe! Das ist ein ganz faszinierender Augenblick und wir können tolle Aufnahmen machen.

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Wir erspähen ein Gorilla Baby, das auf unsere Gruppe zugelaufen kommt! Von diesem Anblick können wir uns kaum losreißen, wie es doch eigentlich Vorschrift ist. Den Silberrücken sehen wir leider nicht und dann heißt es plötzlich „Abschied nehmen“. Die Zeit von nur einer Stunde bei den Gorillas ist viel zu schnell vorbei. Soll das alles gewesen sein für 500 USD p.P.? Irgendetwas hat uns bei diesem ersten Besuch gefehlt und wir geben weitaus weniger Trinkgeld als empfohlen und wir meinen, dass der hohe Preis im Vergleich zum Schimpansen-Trekking, welches 220 USD kostete, in keinem Verhältnis zu diesem Trekking steht. Aber – wir wollten die Gorillas unbedingt sehen und haben übermorgen bereits zum zweiten Mal die Gelegenheit dazu!

Wie abgepasst, regnet es am Nachmittag wieder sehr heftig. Ein Spaziergang zum Fluss oder der Besuch des Dorfes muss leider ausfallen. Aber wir stellen auch fest, dass die Zeit ebenso schnell vergeht, wenn man einfach nur so da sitzt und in den Regenwald schaut, etwas isst und trinkt oder Gespräche mit anderen netten Mitreisenden führt. Ein sehr entspannter Tag geht zu Ende!

29.08.2014 Impenetrable Forest

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Ein herrlicher abenteuerlicher Tag liegt hinter uns! Glücklicherweise schien heute den ganzen Vormittag über die Sonne, so dass wir eine traumhafte 11 km lange Wanderung durch den wundervollen Regenwald gemeinsam mit Everest, unserem hiesigen Guide und unserem Begleitschutz, genießen konnten.

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Es ist sehr faszinierend in dieser traumhaften wirklich undurchdringlichen Natur zu wandern. Nachdem wir den Regenwald passiert haben, geht es zunächst eine kleine Anhöhe steil bergauf und von weitem begrüßt uns eine Kinderschaar. Die Kinder hier sind so süß! Wir fotografieren und filmen sie und zeigen ihnen anschließend die Ergebnisse. Die Kleinen sind völlig aus dem Häuschen und wir versprechen ihnen die Fotos zukommen zu lassen, was wir Monate später über unsere Reiseagentur, die wir jedem Reiseinteressierten nach Afrika nur wärmstens empfehlen können (www.wigwam-tours.de), auch tun.

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Unsere Mittagspause verbringen wir in einer Kirche und in diesem Moment fängt es wie aus Eimern an zu regnen. Da wir uns hier auf 2.500 Höhenmetern befinden, ist es zudem recht kühl. Everest hat für uns Boda Bodas reserviert; es handelt sich um Motorradtaxis. Zunächst bin ich skeptisch – aber die Fahrt mit dem Boda Boda, nur 4 km entfernt von der kongolesischen Grenze und im wehenden Regenponcho, macht unheimlichen Spaß und hat auch so etwas Surreales.

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Wir halten vor einem kleinen Laden. Everest schlägt vor, dass wir den Pygmäen, die hier in einer Gemeinde leben, etwas mitbringen. Die Auswahl ist nicht gerade groß und Everest kauft ein großes Paket mit Salz. Ich wundere mich darüber. Wozu denn Salz? Die Pygmäen leben seit 1991 auf mehrere Kommunen verteilt in Uganda. Vor dieser Zeit lebten sie im Urwald. Lt. Everest wurden den Pygmäen von der Regierung Unterkünfte zur Verfügung gestellt. Ich denke jedoch, dass man diese Menschen aus kommerziellen Gründen einfach nicht mehr im Wald leben lassen wollte.

Wir erreichen nun das Dorf und fast alle Gemeindemitglieder haben sich versammelt. Die Menschen sehen gar nicht mehr wie Pygmäen aus, nämlich sehr kleinwüchsig, höchsten bis 1,50 m groß. Eine Frau von ca. 80 Jahren ist dabei, die noch im Wald gelebt hat. Durch Heirat und Nahrungsänderung sind die Menschen auch größer geworden, so Everest.

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Zunächst wird uns gezeigt, wie die Pygmäen Feuer entfachen und dann wird gesungen und getanzt. Die Frauen flechten Körbe und Taschen und die Männer schnitzen kleine Holzgorillas. Everest sagt, wenn wir etwas kaufen, unterstützen wir die Menschen ein wenig. Wir kaufen zwei Souvenirs und anschließend verteile ich das Salz. Es ist ein irres Gefühl, wie die Menschen in der Schlange stehen und freudig das Salz entgegen nehmen. Na klar, sie benötigen es für die Zubereitung ihrer Speisen – für uns eine Selbstverständlichkeit. Die Kinder nuckeln an den Salzpäckchen. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich – hätte ich doch nur etwas Schöneres für die Kinder mitgebracht, aber ich wusste vorher von diesem Überraschungsbesuch überhaupt nichts und ich hätte hier auch nirgendwo etwas Schönes erstehen können.

Zwischenzeitlich hat es heftig angefangen zu regnen und zu stürmen. Es ist sehr frisch geworden. Die Pygmäen-Kinder verkriechen sich unter Lumpen und rücken eng zusammen. Viele von ihnen haben aufgeblähte Bäuche. Everest sagt, dass sie Würmer haben. Mir fehlen die Worte – dass Menschen so leben müssen….

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Traurig setze ich meine Fahrt mit dem Boda Boda weiter fort. Jason erwartet uns bereits in der Nkuringo Lodge. Wir werden mit frisch aufgebrühten Kaffee und Kuchen an einem offenen Feuer empfangen! Das tut sooo gut!

Unser kleines Cottage mit wunderschönem Blick auf die Virunga Vulkane gefällt uns sehr gut – es ist leider nur so unerwartet kalt…..wir kuscheln uns für den Rest des Nachmittags an zwei Wärmflaschen (!!) und flüchten uns unter die Bettdecke! Fast sind wir schon eingeschlafen, da ertönt plötzlich Gesang von draußen…..Einige Kinder aus dem Dorf haben sich versammelt und bringen uns ein Ständchen! Geschäftstüchtig wie die Menschen nun einmal hier sind, beschließt die Anführerin der Gruppe nach der Gesangseinlage: „Now, the market is open!“ Sie breiten ihre kleinen Holzgorillas vor uns aus und natürlich kaufen wir noch einige zu unseren bereits heute erstandenen hinzu. Im Gegenzug können wir wieder schöne Aufnahmen machen.

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Anschließend gehen wir noch ein wenig spazieren, denn der Himmel klart auf und wir haben freien Blick auf die acht Virunga Vulkane. Zwei der Vulkane sind dem Kongo zugehörig, wobei einer vor über dreißig Jahren das letzte Mal aktiv war. Die Menschen, die sich am Fuße des Vulkans angesiedelt haben, sind auf Grund der Ausbruchgefahr jederzeit gefährdet. Der größte Vulkan der Virunga-Vulkane ist der Karisimbi mit 4500 Metern. Alle Vulkane in der Region sind mit Bergregenwald bedeckt, wobei dieser als Schutz für die Berggorillas dient. Viele Einheimische sind der Meinung, dass, wenn ein Vulkan ausbricht, dies der Zorn Gottes ist oder die Seelen, welche Sünden begangen haben in dem Feuer des Vulkans brennen. Die Virunga-Vulkane sind beliebte Ausflugsziele und Expeditionen in diesem Gebiet werden besonders gerne von Wissenschaftlern oder Forschern unternommen.

Es sind viele Menschen hier auf den Straßen in Nkuringo unterwegs. Es sind keine Straßen nach unseren Vorstellungen, sondern einfach nur Sandpisten. Die Menschen scheinen sehr arm zu sein. Einige von ihnen betteln uns an. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein hier auf der unbefestigten Straße, wo natürlich weit und breit keine Fahrzeuge, sondern nur ab und zu einige Boda Bodas zu sehen sind.

Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, als wir das Abendessen bei Kerzenschein genießen. Zurück in unserem Zimmer ist es so kalt, dass ich am liebsten angezogen ins Bett gehen möchte. Aber wir freuen uns auf morgen und auf unseren zweiten Besuch bei den Gorillas. Diesmal wird es die Nkuringo Gorilla Gruppe sein.

30.08.2014 Impenetrable Forest - Kisoro

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Der Wecker reißt uns um 06.15 h aus dem Schlaf und wir mögen kaum aufstehen, denn es ist bitterkalt! Wir sind am Abend mit Wärmflaschen zu Bett, haben unsere Jacken und Socken auch gleich anbehalten. Jetzt ist nur Katzenwäsche mit Mineralwasser möglich und auf geht’s! zwischenzeitlich bringt uns aber jemand „Hot water for the Face“ und stellt eine Thermoskanne vor unsere Tür. Frühstücken kann ich vor lauter Aufregung kaum etwas, denn es geht nun endlich los - das zweite Gorillatrekking und die Hoffnung, endlich einen Silberrücken zu sehen. Vorab sei gesagt, dass sich dieser Wunsch erfüllt hat! Wir sehen „unseren“ Silverback – ein mächtiges starkes Männchen – doch zuvor müssen wir ins Tal hinabsteigen. In unserer Gruppe befinden sich ein Schotte, zwei Engländer und zwei Italiener. Der Weg ist sehr matschig und rutschig – abermals bin ich froh, dass wir uns für einen Träger entschieden haben. Diesmal ist es eine junge Frau, die auf dem linken Auge blind ist. Trotz dieser Beeinträchtigung macht sie ihren Job fabelhaft und sie wird von uns ein großzügiges Trinkgeld nach dem Trekking erhalten. Darüber freut sie sich sehr.

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Die Führer schlagen einen kleinen Pfad frei und wir folgen ihnen. Wie abgepasst, manchmal fragt man sich wirklich, ob zwischen den Gorillas, den Rangern und den Guides Absprachen getroffen worden sind, kommt der große Silberrücken aus dem Gebüsch hervor und just in diesem Moment werde ich von einer Wespe in den Kopf gestochen! Ich kann einen Aufschrei kaum unterdrücken, denn der Stich ist sehr schmerzhaft und plötzlich hängt so ein Biest an meiner Nase fest! Ich muss diese fast abziehen und mich sehr zusammenreißen, nicht einen Mordsaufstand zu veranstalten, hier, in dieser Situation, der Gorillamann zum Greifen vor mir, ich stehend mit der Kamera und mit einem Bein im Wasser, die Wespe hängend an meiner Nase und die anderen aus der Gruppe ebenfalls mit den Kameras bereit. Es tut höllisch weh, doch wie Jason sagt, und damit hat er Recht, „You have to ignore it“ – es gibt Schlimmeres!

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Es ist der pure Wahnsinn – wir sind mitten unter ihnen, befinden uns sozusagen im „Gorillas Nest“. Immer mehr Gorillas kommen aus dem schützenden Gebüsch von allen Seiten hervor. WAHNSINN……wir sind überglücklich und machen Fotos über Fotos und Filmaufnahmen. Sie sind uns so nah‘, dass ich noch nicht einmal mein 400er Objektiv benutzen muss. Es ist wunderbar und ergreifend diese wunderschönen Tiere zu sehen – es fehlen einem die Worte! Ein Traum ist wahr geworden.

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Viel zu schnell vergeht die Zeit bei den Gorillas und wir müssen bergauf zurück. Damit haben wir glücklicherweise keine Probleme. Es empfiehlt sich jedoch, eine gute Grundkondition bei den Trekkings zu haben.

Dieses Erlebnis hat uns so viel Freude bereitet, dass wir ganz erfüllt den Rückweg antreten und dabei auch die schöne Landschaft genießen können.

In der Nkuringo Lodge können wir noch ein Tagescottage beziehen, wo wir zunächst eine wunderbar warme Regenwalddusche genießen und auch eine Kleinigkeit essen können, bevor wir diese abgelegene Wunderwelt der Berggorillas von Uganda wieder verlassen müssen.

Wir machen uns nun auf den Weg nach Kisoro und begegnen schon wieder einem Wunder! Mitten auf der Straße spaziert ein Drei-Horn-Chamäleon! Natürlich stoppen wir und verfolgen seinen Weg über die Straße und wie es auf einen Baum klettert mit dem für ihn typischen Gang. Dabei schaut er mit einem Auge zu uns und mit dem anderen auf seinen Weg. Er wechselt seine Farbe von braun zu grün und orange. Ein faszinierendes Schauspiel ist es, was sich uns hier ganz unverhofft bietet. Oh, wie gern möchte ich hier in den Bergen rund um die Virunga Vulkane noch bleiben, um noch mehr zu entdecken….doch nun sind wir im Travellers Rest Hotel in Kisoro angekommen. Hier soll bereits Diane Fossey übernachtet haben, aber nicht nur sie, auch unsere neuen Freunde aus Holland sind hier abgestiegen. Sie wohnen direkt neben uns! Das Wiedersehen ist eine große Freude, zumal Esther heute Geburtstag hat, was wir am Abend noch feiern werden. Ein wunderschöner Tag geht zu Ende!

30.08.2014 Kisoro

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Der letzte Tag im August und es regnet in Strömen bei ziemlich frischen Temperaturen. Es ist unangenehm, aber während des heutigen Walks zu den Golden Monkey’s ist es zum Glück trocken. Wir treffen uns mit Esther und Peter bereits um 06.15 h zum Frühstück. Thomas geht es nicht gut. Bereits in der Nacht litt er unter starkem Durchfall und ehrlich gesagt beschleicht mich auch so eine Art Übelkeit. Wir fühlen uns im Travellers Rest überhaupt nicht wohl und das schlechte Wetter hier macht uns ganz verrückt. Thomas muss sich leider dafür entschließen, diesen Tag im Bett zu verbringen, was, wie sich später herausstellt, auch die richtige Entscheidung war. Und so mache ich mich mit Esther und Peter auf den Weg zu den Golden Monkey’s. Der Weg ist beschwerlich, zumal ich nun die schwere Kameraausrüstung allein tragen muss und mir die Füße schmerzen. Wir gehen durch einen wunderschönen Bambuswald und immer tiefer in diesen hinein. Das ist ein sehr schönes Erlebnis, es ist ruhig und abgeschlossen. Der Wald wirkt sehr geheimnisvoll. Schließlich gelangen wir auf eine Lichtung. Die hübschen goldenen Meerkatzen springen von Bambusast zu Bambusast und sind sehr aktiv und schnell. Leider werden so gut wie keine Aufnahmen von ihnen gelingen. Aber der Weg hierher hat sich dennoch gelohnt.

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Kaum sind wir von dieser entlegenen und verzauberten Welt in dieser wirklich grässlichen Stadt Kisoro zurück, fängt es auch schon wieder an zu regnen…..langsam aber sicher fange ich an, das Geräusch der prasselnden Regentropfen zu hassen!! Thomas ist jetzt richtig krank geworden und das Personal des Hotels macht ohne Jasons Hilfe einfach gar nichts. Einen Beutel Tee und eine kleine Thermoskanne mit Wasser gefüllt war alles, was sie ihm für den ganzen Tag zur Verfügung stellten, was uns sogar noch auf die Rechnung gesetzt wurde! Ein wirklich gruseliges Hotel! Wir können nur jedem raten, sich ein anderes Hotel in Kisoro zu suchen.

Doch unser Jason richtet alles für uns. Ohne seine Hilfe wären wir hier völlig aufgeschmissen. Denn die Menschen bewegen und verhalten sich hier sehr langsam und schläfrig und tun so, als würden sie mich nicht verstehen, als ich abermals um Wasser bitte. Nach Jasons „Auftritt“ beim Hotelpersonal funktioniert alles wie am Schnürchen….trotzdem irgendwie traurig. Aber was soll ich noch mehr über das alles nachdenken, denn auch mir ist zwischenzeitlich sehr schlecht geworden und ich möchte am liebsten von hier verschwinden. Der einzige Trost ist, dass jede Nacht einmal vorbei ist und dann ist da noch „Sushi“, die Hotelhündin. Sie hängt sehr an mir, nachdem ich ihr einige Ingwerkekse zu essen gegeben habe und verfolgt mich seitdem auf Schritt und Tritt. Sie tröstet mich, ich spreche mit ihr und streichele sie. Hunde sind des Menschen bester Freund!

01.09.2014 Mantana Camp - Lake Mburo

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Die vergangene Nacht war furchtbar. Thomas und ich lagen aneinander gekauert in einem Bett, um uns gegenseitig zu wärmen. Abwechselnd rannten wir zum Klo. Ich hatte Bauchkrämpfe und mir war sehr übel. Aber wie bereits erwähnt, geht irgendwann die schlimmste Nacht vorüber und wir können dieser Alptraumstadt den Rücken kehren. Aus der Ferne betrachtet sieht Kisoro eigentlich recht hübsch aus mit den Vulkanen und der hügeligen Landschaft drum herum. Aber mittendrin im Grenzgebiet von Ruanda und dem Kongo sieht alles anders aus. Es ist kühl und regnerisch, was auch sonst, und die uns entgegenkommenden Menschen haben alle den weiten Weg aus den Bergen auf sich genommen, um etwas auf dem Markt in Kisoro zu verkaufen. Sie tragen ihre Waren traditionell auf dem Kopf, viele von ihnen gehen trotz der kühlen Temperaturen barfuß, auf den völlig überfüllten Lastwagen finden auch noch einige Menschen Platz. Alles wuselt durcheinander. Ganz ergriffen und vielleicht auch völlig überreizt von den uns ungewohnten Bildern schlafen wir während der langen Fahrt zum Lake Mburo häufig ein. Es ist wie in einem Traum – Hunger verspüren wir überhaupt nicht, allein die Vorstellung etwas zu essen….daran wollen wir gar nicht denken. Doch unser Jason besteht auf eine Mittagspause. In dem Restaurant treffen wir denn wieder Esther und Peter und ihren lustigen Fahrer und Guide Abdul! Das Wiedersehen und die zufälligen Treffen mit den beiden sind immer wieder schön, denn wir verstehen uns sehr gut! Thomas und ich essen nur sehr wenig Reis und eine gedämpfte Banane zu Mittag, dazu gibt es Tee. Zuvor hatten wir uns in einem kleinen Supermarkt Marsriegel und M & M’s gekauft, für Einheimische hier nicht erschwinglich, aber für uns der absolute Hochgenuss und eine wahre Gaumenfreude! Landschaftlich ist der Weg zum Lake Mburo sehr schön. Die sog. Städte jedoch sind das hässlichste, was ich bisher je gesehen habe. Diese bestehen aus einer Ansammlung von Bretter- und Bruchbuden, welche teilweise übermalt sind in den grellsten Farben und für Telefongesellschaften werben.

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Am Eingang zum Lake Mburo Nationalpark treffen wir wieder, na klar, Abdul, Esther und Peter, welche wir im Park selbst noch ein weiteres Mal treffen sollen. Es ist ein netter Kontakt entstanden. Einige Reisende haben wir bereits zum zweiten Mal getroffen und es haben sich interessante Gespräche entwickelt. Uganda ist eben ein sehr individuelles Reiseland und tatsächlich nicht für jeden geeignet.

Von unserer Unterkunft am Lake Mburo sind wir begeistert – das Mantana Luxury Camp ist ein Traum! Wir genießen hier VIP-Service, denn wieder einmal sind wir die einzigen Gäste. Der Tourismus ist leider seit der Verbreitung des Ebola-Virus in Westafrika auch hier in Uganda total eingebrochen.

Wir machen mit Jason vor dem Abendessen noch eine erste Pirschfahrt und sichten unsere ersten Zebras.

Das Abendessen ist magenschonend zubereitet und es wird extra für uns ein Kaminfeuer entfacht. Wir fühlen uns wie in „Out of Africa“ – einfach toll ist es hier. Auch die Inneneinrichtung unseres Zeltes ist sehr luxuriös. Ein wunderschönes Hide-Away fernab vom Rest der Welt.

02.09.2014 Mantana Camp, Lake Mburo

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Wir sind nun richtig in Afrika angekommen, obwohl es leider schon fast das Ende unserer bezaubernden Reise ist. Hier im Mantana Camp fühlen wir uns pudelwohl. Bevor wir heute Morgen zu unserem Safari-Walk starten, bringt man uns Kaffee und Kekse. Also, so ein Walk durch die Savanne ist nicht so unser Ding. Wahrscheinlich ist die Luft auch schon etwas heraus. Kaum sichten uns die Tiere, schon flüchten sie verständlicherweise. Das Auto wird von den Tieren nicht als Bedrohung angesehen, wohl aber der Mensch…..trotzdem bekommen wir eine Eland-Antilope zu Gesicht und können einige gute Aufnahmen machen.

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Zurück in der Lodge gibt es erst mal eine warme Dusche und ein Frühstück auf der idyllischen Terrasse mit weitem Blick über die Savanne bis zum See. Auch einige Tiere trauen sich näher an die Terrasse heran. Hier könnte ich ewig verweilen und einfach nur schauen und den Stimmen der Natur lauschen. Ich bin nun wirklich angekommen hier in Afrika……

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Am Nachmittag wollen wir eine Bootstour unternehmen. Leider regnet es wieder sehr stark. Also, wettermäßig können wir aus persönlicher Erfahrung den August als Reisemonat nicht unbedingt empfehlen. Dafür sitzen wir mit Jason gemütlich auf der Veranda und schauen uns Vogelbilder an. Er sagt uns zu jedem Vogel den englischen Namen und das ist gut so… in Deutschland suche ich mir die deutschen Bezeichnungen heraus und es ist wirklich sehr interessant, mehr über diese wunderschönen Vögel zu erfahren. Die Tierwelt in Afrika und die bunte Vogelwelt sind einzigartig! Wir haben auf unserer Reise 39 verschiedene Vögel gesichtet, und das sei noch gar nichts, wie uns unser Jason versichert. Für uns, die noch ganz am Anfang der Vogelkunde stehen, ist das aber schon viel.

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Am späteren Nachmittag hört es denn auch einmal auf zu regnen und wir fahren an den See und besteigen das kleine Boot, und, wie sollte es anders sein, auch hier sind wir wieder die einzigen Gäste…..es erwartet uns ein absolutes Highlight. Wir sichten den wunderschönen Malachit-Eisvogel. So etwas Schönes – unbeschreiblich – ein kleines Juwel der Lüfte und ein Wunder der Natur! Nachdem wir sehr gute Aufnahmen von diesem Juwel gemacht haben, kommt ein starker Wind auf, die Wellen schlagen höher und wir beschließen, diese Bootsfahrt zu beenden. Wir haben den Eisvogel gesehen und das ist gut so…..wir fahren zurück in die Lodge, wo wir weitere Vogelbilder sichten. Morgen geht es früh nach Entebbe zurück und der Abschied von Jason rückt näher. Aber noch sitzen wir in unserem Hide-Away auf der stilvollen Veranda des Mantana-Camps, die afrikanische Nacht bricht herein, Paul entfacht das Kaminfeuer und ein leichtes Abendessen wird uns serviert. Alles ist gut und wunderbar!

03.09.2014 Ngamba Island

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Wir sind nun auf „unserer“ Schimpanseninsel (www.ngambaisland.com), welche mitten auf dem Victoria See liegt, angekommen. Hatten wir gestern noch Bedenken, so bereuen wir es jedenfalls bisher nicht, dieses Programm zum Abschluss unserer Reise gebucht zu haben. Nach der langen Fahrt vom Lake Mburo bis nach Entebbe und der Verabschiedung von Jason, sind wir mit dem Speedboat hierher gefahren worden. Seit zwei Tagen sind wir bereits überall die einzigen Gäste und genießen den vollen VIP-Service! Der Empfang hier war sehr herzlich. Bei der Nachmittagsfütterung waren wir bereits dabei. Heute Abend werden wir hinter die Kulissen geführt und wir können auch ein sehr informatives Gespräch mit dem hiesigen Tierarzt führen. Nun werden die Chimps, welche den Tag im Regenwald verbringen, in ihre „Kinderzimmer“ gebracht, bzw. leitet sie eine innere Uhr am Abend zurück aus dem Wald. Das ist ein Gekreische und Hallo….zum Abendessen gibt’s für sie Porridge, Eier und Obst zu essen, wonach sie gierig ihre menschenähnlichen Hände ausstrecken.

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Morgen werden wir uns dann um 06.45 h mit den Betreuern treffen und einen Spaziergang im Regenwald unternehmen. Mit von der Partie werden acht Schimpansen sein, darunter auch die kleine Sara, eine dreijährige Schimpansin, welche von einem Händler im Südsudan konfisziert wurde. Sie war in einem schlechten gesundheitlichen Zustand, als sie nach Ngamba Island kam. Aber hier in diesem liebevollen Refugium hat sie sich erholt und als Nesthäkchen der Gruppe genießt sie den vollen Schutz der anderen Schimpansen. Auch unser Herz hat diese bezaubernde Schimpansendame im Sturm erorbert!

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Und so klingen die letzten Tage in Uganda aus. Die Wellen des Viktoriasees schlagen an unser Zelt, von irgendwoher ertönt nervtötende laute Musik… das Handling mit den Sand- und Chemietoiletten und das Waschen mit Mineralwasser werden zum Glück bald ein Ende haben. Die erste Magenverstimmung haben wir zum Glück gut überstanden und auch die Malariatabletten haben unsere Körper problemlos angenommen.

Von der Tierwelt Ugandas sind wir restlos begeistert und zutiefst beeindruckt. Die Landschaft Ugandas finden wir nicht so reizvoll. Auch den starken Regen und die kühlen Temperaturen haben wir zu dieser Jahreszeit nicht erwartet, zumal es sich um die beste Reisezeit handeln soll. Aber all‘ das ist das real Africa – eben nichts für Weicheier!

04.09.2014 Ngamba Island

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Wir kommen gerade restlos begeistert und glücklich von unserem Chimpswalk aus dem Regenwald zurück! Ein einmaliges und faszinierendes Erlebnis! Wir können dies nur jedem Uganda Besucher empfehlen, zwei Tage auf dieser Insel zu bleiben und das Care Giver Programme zu buchen. So nah‘ wird man Schimpansen sonst sicher nirgendwo kommen! Wir waren mit sechs Schimpansen eine wundervolle Stunde lang im Wald unterwegs, wobei ich Sara huckepack getragen habe. Thomas Schimpansendame heißt Medina, die sich ebenfalls sehr gern huckepack von ihm tragen ließ. Dafür waren wir auch zünftig im grünen Arbeitsoverall angezogen und trugen zudem Gummistiefel. Wir saßen mit den Schimpansen gemeinsam auf dem Boden, um eine kleine Rast einzulegen. So auf Augenhöhe mit ihnen einfach nur in der Natur zu sitzen war so einmalig schön. Sie mochten es sehr, von uns geknuddelt zu werden und natürlich liebten sie auch die Erdnüsse, die sich in unseren Taschen befanden. Es sind so schöne Tiere mit ihren ausdrucksvollen Augen. Wenn man sie anschaut, meint man, dass sie gleich zu Sprechen anfangen würden; ihr Fell fühlt sich wunderbar weich und sehr angenehm an. Kaum ging es nach der kurzen Rast wieder los, wollte Sara sofort wieder huckepack getragen werden. Wurde ich langsamer, sprang sie ab und rannte zum nächsten Baum, welchen sie kreischend erklomm. Dies war eine tolle Erfahrung, die wir auf keinen Fall missen möchten. Die Erlebnisse in Uganda haben uns sehr bereichert.

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Jetzt beginnt gleich die Morgenfütterung, bevor die anderen Schimpansen ebenfalls in den Regenwald entlassen werden. Es ist absolut lustig, den Schimpansen dabei zuzusehen, wie sie ganz begeistert ihre Schlafplätze verlassen, sich am Zaun aufreihen und darauf warten, dass ihnen das Futter zugeschmissen wird. Sie stellen sich wie Menschen auf und breiten erwartungsvoll ihre Arme aus, manche winken und machen auch durch Geräusche auf sich aufmerksam. Man wird einfach nicht müde, dieses Spiel zu beobachten. Auch die Mittagsfütterung werden wir noch erleben, bevor uns das Boot um 16.00 h nach Entebbe zurückbringen wird. Dort werden wir noch einige Stunden im schonen Boma Guesthouse verbringen, wo einst (so lange her kommt es uns jedenfalls schon vor) unsere Reise durch Uganda begann. Ja, es war vor langer Zeit, wie es uns scheint, denn diese unvergessliche Reise war so eindrucksvoll, dass es uns vorkommt, als sei bereits ein Jahr vergangen.

 

Kwa heri Uganda!

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